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Hand aufs Herz // Was bedeutet eigentlich Yoga?

6. Juni 2016
Hand aufs Herz – Valerie über Yoga – Was bedeutet Yoga eigentlich?

Yoga, aus dem Sanskrit übersetzt, bedeutet anjochen, verbinden. Der Körper verbindet sich mit dem Geist und umgekehrt. Es ist das Einswerden mit sich als Ganzes. Man könnte sagen ein „Ganzwerden“.

Durch das Üben von Yoga wird der Körper gereinigt und das Bewusstsein klarer. Schicht um Schicht, Atemzug um Atemzug. Yoga kann die Einstellung zum Leben zur Gänze verändert. Ich spreche hier aus eigener Erfahrung, denn mein eigenes hat sich ebenso (und das mehrmals) auf den Kopf gestellt.

Yoga ist also nicht nur das Üben von Asanas in einer wöchentlichen Yogaklasse. Es ist und kann viel mehr. Die Praxis lehrt wachsames Zuhören. Die Wahrnehmung der Stimme des Herzens, des Körpers und des Umfelds, in dem man lebst. Ein achtsamer Umgang mit einem selbst, dem eigenen Körper und den Menschen, die man liebt, ist nur eines der Resultate.

 

Yoga der Gefühle…

Die Körperarbeit, die Atmung und die Stille haben mir neue Seiten an mir gezeigt. Da wo ich zuvor nie hingesehen hatte. Weil ich nicht wusste, dass diese existierten oder aus Angst etwas Unschönes entdecken zu können. Und unschön ist alles, was weh tut.

Als ausgebildete Yogalehrerin sollte man meinen, ganz mit dem Leben im Einklang zu sein. Ausgeglichen und stets fröhlich, weil man weiß, wie es geht. Ha, denkste! Denn wenn man sich mit dem eigenen Körper in einer so intensiven und ehrlichen Form auseinanderzusetzen, braucht es viel Mut und auch Geduld. Und wer mich kennt, weiß wie schrecklich ungeduldig ich bin und mit welch enormer Sturheit ich oft durch Wände laufen möchte.

Immer und immer wieder heißt es „zurücknehmen, ruhig bleiben, aufmerksam sein, zuhören und weitergehen“. Schritt für Schritt, liebevoll mit mir selbst.

Hand aufs Herz – Valerie über Yoga – Was bedeutet Yoga eigentlich?

Warum das alles? Und warum gerade Ashtanga Yoga?

Ich hatte viele Jahre Yoga praktiziert, unterschiedliche Stile ausprobiert und war vom ersten Moment an fasziniert. Anfangs stand für mich der Aspekt der Fitness im Vordergrund. Top Work-Out und der gewünschte Ausgleich zu meinem Job in der Werbebranche. Dem traditionellen Ashtanga Yoga habe ich letztendlich aber mein Herz verschrieben.

Romana Delberg, meine Freundin und persönliche Yoga Lehrerin in Wien, findet dazu sehr schöne Worte in unserem Interview: „… das Besondere am Ashtanga war für mich ganz klar einerseits die komplexe Kombi aus Asana, Pranayama und ethischer Tiefe, anderseits die ganz spezifische Art, wie es unterrichtet wird – das Mysore-Setting und die Beziehung zu einer/m LehrerIn.“

Tja, und als ich eines Tages meine erste „Mysore“ Klasse absolvierte, geschah es. Da war er – der Knackpunkt, der aus jetziger Sicht so vieles verändert hat.

Durch das stille und selbständige Üben im eigenen Tempo neben all den anderen Yoga Schülern ist man auf sich man auf sich gestellt. Die Lehrer sind aufmerksam und helfen, jedoch wird man ganz auf sich selbst zurückgeworfen. Die Konzentration gilt dem Atem und eigenem Körper in Bewegung. Das Wiederholen der Positionen, der Serien in ihrer puren Essenz, ohne Musik, ohne Schi Schi, ist das was mich mir selbst näher bringt. Jedes Anheben, jedes Senken ist verbunden mit einem Atemzug. Position für Position.

Es war diese eine Klasse. Meine erste erfolgreich und selbständig absolvierte erste Serie in einer Mysore Stunde. Nachdem ich die Asanas beendet hatte, meine Augen schloss, um mich dem Schlussmantra zu widmen, überkam mich eine unendliche Demut und Güte. Aus dem Nichts, völlig unerwartet. Mir kamen die Tränen, denn ich war dankbar, mich plötzlich selbst so spüren zu können, mir so nah zu sein.

Es war ein neuartiges, überwältigendes Gefühl, das mich überkam. Es war der Moment, der mich davon überzeugt hatte, weiterzumachen, tiefer zu gehen und ganz in diese neue Welt einzutauchen.

Wenige Monate später fand ich mich in Thailand wieder, um mein erstes Ashtanga Yoga Teacher Training zu absolvieren. Danach folgten unzählige Workshops und Fortbildungen. Ich wollte alles aufsaugen und umsetzen. All mein Wissen und meine Erfahrungen teilen.

Hand aufs Herz – Valerie über Yoga – Was bedeutet Yoga eigentlich?

Wenn sich mein Herz öffnet…

Ich lerne im Moment zu sein. Ganz präsent bei mir, mit mir. Wachsam, aber offen. Oft fühle ich mich verletzlich, denn wenn man sich öffnet, gibt man die Kontrolle ab.

Und ohne Kontrolle, weiß man plötzlich nicht mehr, was geschieht oder geschehen könnte. Kontrollverlust macht Angst und engt ein. Doch mein Vertrauen in das Gute ist stärker geworden und führt mich durch Phasen meines Lebens, in denen ich gebeutelt werde.

Neben meiner Yoga Praxis, sitze ich regelmäßig in Stille und lausche meinem Atem. Meditiere oder so. Ich gehe ganz ins Vertrauen, verbinde mich mit dem Göttlichen in mir und versuche für einen Moment nur für mich da zu sein. Eine Auszeit vom Alltag, hin zur inneren Stimme. Innehalten und Frieden zu schließen, mit all den Sorgen, die mich beschäftigen. Licht und Liebe durchströmt meinen Körper. Und ich höre es. Jedes Wort, jede Stimmung meines Herzens wird wahrgenommen. Oft fließen Tränen – manchmal vor Schmerz, manchmal vor Freude.

Valerie – The Yoga Affair – Signature – gold

 

 

 

Fotos: © Caroline Prange

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2 Comments

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    Reply Vera 6. Juni 2016 at 10:00

    So wunderschön berührend und inspirierend liebe Valerie 💗

    • Avatar
      Reply Valerie 6. Juni 2016 at 17:37

      Oh du Süße! Schön, dass es dir gefällt. Vielen lieben Dank. 🙂

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