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Im Portrait // Dr. Ronald Steiner über sein Album „Wave & Breath“

26. September 2017
Dr. Ronald Steiner Interview Portrait Ashtanga Yoga AYInnovation® Aerial Tones Wave and Breath Album CD Release Atmung Klänge Musik

Dr. Ronald Steiner ist Arzt für Sportmedizin und zählt zu den bekanntesten Praktikern des Ashtanga Yoga. Als einer der wenigen ganz traditionell von den indischen Meistern Sri K. Pattabhi Jois und BNS Iyengar autorisierten Yogalehrer, zum anderen Arzt, Wissenschaftler und Sportmediziner steht er für eine authentische und zugleich lebendige Yogatradition.

Die von ihm begründete AYI® Methode baut eine Brücke zwischen uralter Tradition und progressiver Wissenschaft, zwischen angewandter Anatomie und lebendiger Philosophie, zwischen präziser Technik und praktischer Erfahrung.

Als alter Ashtanga Hase verfolge ich Dr. Ronald Steiners Schaffen seit vielen Jahren. Durch das erst kürzlich erschienene Album „Wave & Breath“ über das Label Aerial Tones wurde meine Aufmerksamkeit nun einmal mehr geweckt. Ein Soundtrack, der dich wie auf Wellen mit sanften und sphärischen Klängen durch deine Yogapraxis reiten lässt. Ashtanga und Klänge? Dazu und mehr hatte ich einige Fragen, die ich Dr. Ronald Steiner im folgenden Interview gestellt habe.

 

Ronald, wer oder was hat dich zum Yoga geführt?

Bereits meine Mutter war Yogalehrerin. So kam ich schon als Kind mit dem Yoga in Berührung. Etwa mit 14 war ich mir sicher: Yoga ist mein Leben! Seitdem praktiziere ich fast täglich.

 

Die Wurzeln deines Unterrichts liegen im Ashtanga Yoga. Wieso? Was macht diesen traditionellen Yogastil für dich so besonders?

Es mag paradox klingen, aber keine Form der Yogapraxis gibt dem Übenden mehr Freiraum als der Ashtanga Yoga.

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Übt man im Ashtanga Yoga nicht immer die gleichen, fest vorgegebenen Übungsfolgen?

Das Verblüffende ist, dass es gerade diese festen Übungsfolgen sind, die Freiraum geben. Wer einmal in die Atem- und Bewegungsabfolge eingetaucht ist, braucht kein Buch oder die Ansage eines Lehrers mehr. Du folgst dem Tempo deines eigenen Atems. Jede Bewegung führst du auf eine Weise aus, wie sie zu dir persönlich und deiner heutigen Praxis passt.

Ich kann mich noch erinnern, wie ich vor mittlerweile 20 Jahren zum Ashtanga kam – das war Liebe auf den ersten Blick. Es fühlte sich an wie eine große Befreiung. Neben mir lag kein Buch. Ein tiefer Atemzug war genug, um meine Arme zu heben. Die Ausatmung führt mich ganz natürlich zum Boden. Das ist es was ich bis heute jeden Tag in dieser Praxis genieße.

 

Wie würdest du deinen Unterricht beschreiben? Was erwartet einen Schüler in deiner Klasse?

Ich möchte meinen Schülern einen Zugang eröffnen, eine persönliche und für sie maßgeschneiderte Praxis zu entwickeln.

 

Ich begegne immer wieder Menschen, die glauben, Vorkenntnisse oder eine große Beweglichkeit vorweisen zu müssen, um ihre erste Yogaklasse besuchen zu können. Was kannst du als Experte dazu sagen?

Das eigentliche Ziel des Yoga ist es, eine umfassende körperliche und psychische Harmonie zu kultivieren. Anspannung und Dehnung sind dabei wichtige Elemente. Sie führen uns in eine körperliche Harmonie.

Da jedoch unser Körper einzigartig ist, ist die äußere Form einer Haltung für jeden Menschen individuell. Ein erfahrener Yogalehrer kann jedem Menschen, egal ob flexibel oder kräftig, einen Weg zeigen, mit seinen ganz persönlichen Voraussetzungen ganzheitlich in Balance zu kommen. Dafür braucht es keine Vorkenntnisse, sondern nur die Bereitschaft, sich auf diese Erfahrung einzulassen.

 

Du hast die AYI® Methode entwickelt. Was genau kann man sich darunter vorstellen?

Eigentlich ist es keine neue Methode, sondern lediglich der traditionelle Ashtanga Yoga, wie ich ihn von meinen Lehrern Sri K. Pattabhi Jois und BNS Iyengar gelernt habe. So wie ich deren Unterricht erlebte, wandelte er sich über die Zeit basierend auf ihren langjährigen Erfahrungen. Stets passten sie das was sie lehrten den individuellen Bedürfnissen ihrer Schüler an.
Leider sehen diese Notwendigkeit der Weiterentwicklung und Anpassung nicht alle. Manche Schüler von eben diesen Lehrern geben sehr rigide die Körperhaltung und Bewegung genauso weiter, wie sie diese selbst gelernt haben. Wenn ich dann beispielsweise einem Schüler mit gebrochenem Arm einen Sonnengruß ohne Absetzen der Hände zeige oder ein Senior einen Stuhl bei der Praxis einsetzt, dann beschweren sich diese Schüler, das sei kein „traditioneller“ Ashtanga.

Das „I“ in AYI® steht für „Innvation“ und erinnert an den natürlichen Wandel und Raum für persönliche Anpassung, den eine lebendige Tradition braucht. Konkret sind therapeutische Aspekte, eine moderne bewegungsphysiologische Übungsausführung, die Anpassung an individuelle anatomische Besonderheiten und detailliertes Alignment kennzeichnend für die AYI® Methode.

Dr. Ronald Steiner Interview Portrait Ashtanga Yoga AYInnovation® Aerial Tones Wave and Breath Album CD Release Atmung Klänge Musik

 

Nun hast du mit Aerial Tones ein spannendes Projekt realisiert: Es ist ein einzigartiges Yoga Album, das als unterstützendes Tool bei Ashtanga Yoga gilt. Was hat dich davon überzeugt, diesen Soundtrack zu entwickeln?

Im Ashtanga Yoga ist der Atem ganz wesentlich. Er führt jede Bewegung. Er hilft uns dabei, Kraft und Flexibilität zu entwickeln. Sein gleichmäßiges Rauschen bringt den Geist zur Ruhe.

Schon seit Jahren experimentiere ich deshalb an unterschiedlichen Herangehensweisen den Atem zu vertiefen und zu harmonisieren. Der rauschende Ton des Atems selbst erwies sich als unfassbar effektiv. Es hatte sofort eine verblüffende Wirkung auf die Yogapraxis.

 

Mir selbst wurde bei meinem Ashtanga Teacher Training nahegelegt, dass man gänzlich auf Musik und sonstigen „Klimbim“ verzichten sollte. Daher könnte ich mir vorstellen, dass die Reaktion auf das Album seitens Ashtanga Anhänger durchaus kontrovers ausfällt. Wie siehst du das?

Das „Wave &Breath“ Album ist nicht einfach nur Musik. Ich verstehe es als Hilfsmittel für tieferes Atmen. Es besteht zu 90% aus dem Geräusch des Atems, erweitert um einige Klänge und Töne, die den Atem harmonisch einbetten und das Üben erleichtern.

 

Kann man zu deinem Soundtrack auch andere Yogastile praktizieren? Was empfiehlst du?

Die „Wave & Breath“ eignet sich für jede Yogaform in der ein tiefer und gleichmäßiger Atem wesentlich ist. Das ist z. B. im Vinyasa Yoga, Jivamukti Yoga, Power Yoga und vielen anderen Formen der Fall.

 

Wie sieht dein Alltag aus? Wieviel Yoga übst du selbst? Wie steht es um deine Meditationspraxis?

Ich stehe meist morgens um 4 Uhr auf. Gehe in meine Yogaschule. Dann ist es noch dunkel draußen. Ich mag es, wenn der Raum so verlassen und kalt vor mir liegt. Ich breite meine Matte aus. Sitze oft noch ein wenig und lasse mich dann von meinem Atem in die Dynamik tragen. Die rauschenden Wellen lösen Raum und Zeit auf. Das ist für mich Meditation in Bewegung.

Später füllt sich die Yogashala allmählich. Schüler kommen und natürlich der Lehrer, der den ersten Teil der Morgenpraxis unterstützt. Meist so gegen 7:30 Uhr übernehme ich dann den Unterricht.

Den Rest des Tages verbringe ich mit Schreiben, der Vorbereitung auf Yogalehrer Aus- und Weiterbildungen und natürlich auch mit meiner wundervollen Familie. Das alles bedeutet mir sehr viel.

 

Vielen Dank für deine Offenheit und dieses spannende Interview, lieber Ronald!

Wenn du neugierig bist und gleich in das Album „Wave & Breath“ reinhören möchtest, kannst du das über iTunes, Spotify, YouTube oder auch Soundcloud tun.

 

Signatur Valerie Unterschrift

 

Fotos: Portrait ©Kilian Trenkle, Asanas ©Tom Rosenthal

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1 Comment

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    Reply Irene 31. Januar 2018 at 17:08

    Mich verwirrt etwas. Es heißt im Artikel, dass Dr. Steiner von Sri K. Pattabhi Jois authorisiert wurde. Aber leider ist er auf der offiziellen Seite der authorisierten Ashtangalehrer nicht zu finden:

    http://sharathjois.com/teachers-directory/europe/

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