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Im Portrait // Reni Bickel über Yoga und Wanderlust

12. Juni 2016
Reni Bickel im Interview bei The Yoga Affair

Der Sommer 2015 war heiß, sehr heiß. So heiß, dass jegliche Yogaklasse ganz automatisch zu einer Hot Yoga Klasse wurde. Erfrischung musste her. Und was bot sich da besser an, als SUP Yoga auf dem Zürichsee zum Sonnenuntergang? Gesagt, getan. So habe ich vor etwa einem Jahr das erste mal bei Reni Bickel auf der Matte – na gut, in diesem Fall – dem Board gestanden und mit ihr geübt. Und dafür bin ich sehr dankbar, denn seither hatte ich viele tolle Klassen mit Reni und freue mich jedesmal, wenn sie wieder in der Schweiz Halt macht.

Mit unserer Begegnung haben sich zwei Nomadenherzen gesucht und gefunden. Aber lest selbst:

 

Seit wann praktizierst du Yoga und wie hat Yoga dich gefunden?

Ich praktiziere seit ca. 10 Jahren Yoga, in den letzten 5 Jahren ist das Yoga ein fester Bestandteil meines Lebens geworden, privat und auch beruflich. Yoga hat  zuerst anhand auto-diktatischen CDs meine Mutter zu mir gefunden, dann durch meine Tanzlehrerin und der Durchbruch schaffte es dann mit einem Surfkolleg, dessen Praxis ich für lange Zeit übte.

 

Was bedeutet Yoga für dich?

Yoga ist eine Wissenschaft, ein Lebensstil und ein Zustand.

Die uralte Wissenschaft, welche von Lehrer zu Schülern übertragen wird, fasziniert mich unglaublich. Yoga bietet Erklärungen zu den verschiedenen Aspekten unseres Daseins und effiziente Methoden zur Selbstfindung. Ich erkannte, dass die Asana Praxis ist nur die Spitze des Eisberges ist. Yoga bedeutet für mich bewusst zu sein, in allen Lebensbereichen und in einen ausgeglichenen Zustand zu verweilen, welcher durch externe Faktoren nicht gestört werden kann. Das erfordert viel und vor allem konstante Praxis, ist es aber auf jeden Fall wert. Das Schönste ist zu sehen, wieviel Transformation und Heilung auf diesem Weg möglich ist. Bei mir selbst und bei anderen.

Reni Bickel im Interview bei The Yoga Affair

 

Was bedeutet reisen und unterwegs sein für dich?

Sich frei bewegen zu können, ist für mich wichtig. Körperliche Freiheit erlaubt mir auch geistige Freiheit zu haben. Wenn man reist, kommt man oft aus seiner Komfort Zone raus, lernt Neues kennen und erweitert so seinen Horizont. Zeit oder Raum sind für mich keine limitierenden Faktoren, viel mehr sehe ich sie als von uns Menschen geschaffene Dimensionen, welchen viel zu viel Wichtigkeit geschenkt wird. Deshalb fühle ich mich geografisch gesehen weder nah noch fern. Ich habe sehr guten Kontakt zu meinen Freunden und meiner Familie und trage sie alle in meinem Herzen. Das macht mich zufrieden. Und wenn ich zufrieden und ausgeglichen bin, kann ich mich überall zu Hause fühlen.

 

Was hilft dir dabei, immer wieder dort anzukommen wo du bist? Was erdet dich?

Manchmal schwebe ich schon ein bisschen in den Wolken (lacht). Gewisse Personen in meinem Leben, zum Beispiel mein Verlobter, sind für mich wie Kabel zur Erde, zur materiellen Welt sozusagen. Es sind die Menschen, welche mir Sicherheit und Halt geben. Wenn man Vertrauen schenkt, kommt dies als unterstützende Energie zurück. Ganz wichtig ist auch, dass ich mir genügend Erholung, Schlaf und Zeit für mich selbst und für meine persönliche Praxis gönne. Das habe ich erst in den letzen zwei Jahren gelernt.

 

Wie würdest du deine Art zu unterrichten beschreiben? Was charakterisiert deine Klassen?

Meine Stunden zielen darauf ab, nicht nur Körper und Geist, sondern auch den Bewusstseinszustand der Schüler positiv zu beeinflussen. Ich lege jeweils einen Schwerpunkt und verpacke diesen in einen kreativen Vinyasa Flow, welcher zugängliche für alle Levels ist. Manchmal üben wir Kundalini und arbeiten mit der transformativen Kraft, ein anderes Mal konzentrieren wir uns auf die Balance und stabilisierende Pranayamas, entspannen uns in einer restaurativen Yoga Praxis oder arbeiten an einer „peakpose“, um das Level zu pushen. Es kommt ganz darauf an! Bei mir erlebt man niemals zweimal dieselbe Stunde. Meine Art zu unterrichten ist eine sehr weibliche und natürliche: Wir Yoga Lehrer sind ganz normale Menschen. Diese Tatsache sollte allen den Mut geben, Yoga auszuprobieren.

 

Welches Buch liest du gerade?

Ich lese mehrere Bücher. Mein absoluter favourite ist momentan „La Ciencia del Karma“ von Daru Krishna Das, ein wissenschaftliches Buch über Jyotish, die vedische Astrologie. Zwischendurch vergnüge ich mich einer modernen Interpretation der Yoga Sutras von Nicolai Bachman, dieses Buch ist sehr verständlich und inspierend… Meine aktuelle Subway-Lektüre ist zurzeit „Der Alchimist“ von Paulo Cuehlo, der ist immer wieder gut!

 

Was darf nie in deinem Yogabag fehlen?

Rosewater Spray, um mein Gesicht zu erfrischen. Essenzielles Lemon Oil und Teatree Oil. Frisches und gefiltertes Trinkwasser und ein angenehmes Baumwolle Shirt. Diese Sachen ist absolut immer dabei! Oft trage ich auch Steine oder Kristalle mit mir herum.

 

Hast du ein Motto, das dich auf deinem spannenden Weg begleitet?

Ich habe jeweils auf ein Motto, dass mich für eine bestimmte Zeitspanne begleitet. Dies ist meistens auf der ersten Seite meiner Website oder in meiner Email Signature auf finden. Zurzeit steht da „In true love, you attain freedom.“. Dieses Zitat von Thich Nath Hanh lässt viel Raum für Interpretation, das gefällt mir. Und ganz besonders find ich, dass es mich immer wieder auf den Ursprung und die Lösung von allem hinweist: die Liebe.

 

Was möchtest du neuen Yogis gerne als Rat mit auf den Weg geben?

Keine Angst zu haben, oder zu denken, dass andere viel besser sind. Das ist eine absolute Täuschung. Im Yoga geht es nicht darum, wie die Pose ausschaut oder wer das bessere Instagram hat, sondern welchen internen Zustand oder Dialog man führt. Es gibt viele „Yogis“ auf dieser Welt und damit meine ich Menschen, welche kein „Yoga“ in herkömmlichen Sinne praktizieren. Leute, welche auf dem Weg zur Selbstfindung sind und ihr Bewusstsein auf höhere Ebenen expandieren. Yoga ist letztendlich auch bloss ein Label. Alle können sich ein freies, unbeschwertes und sinnvolles Leben gestalten und in Liebe und Harmonie mit ihren Mitmenschen leben. Yoga ist nur eine Methode dafür und das Gute ist: sie steht allen zur Verfügung.

Liebe Reni, 1000 Dank für dieses schöne Interview. Wie schön, dass wir uns schon sehr bald in Zürich sehen können.

Elvira – The Yoga Affair – Signature – gold

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